Katalanische Krippe

 

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Eine katalanische Krippe in Friedenau

 

Mehr als eine Geburtskrippe ist die katalanische Krippe eine Heilslandschaft, die im Eßzimmer aufgebaut das halbe Zimmer einnimmt.

Und was tummelt sich da nicht alles: Feder- und Rindvieh, Esel, Kamel und die sprichwörtliche Schweizer Kuh, Schafe, die meisten sind Pflegefälle, mühsam sich auf  drei Beinen haltend, und wer genauer hinsieht, erspäht den Salamander, der auf einem Stein sich sonnt, die Schlange, die in den Baum hineinzüngelt, und zwischendrin überall Hunde, Katzen und Tauben.

Verteilt in der Landschaft stehen die Dörfer: im Tal die stattlichen katalanischen Gehöfte inmitten von Agaven, Opuntien und Palmen, und im Gebirge auf den Felsen aus Kork Bergdörfer und Burgen.

In dieser Krippe kniet vor dem Stall der Hühnerbauer, der seinem flüchtigen Huhn folgte und auf diese Weise noch vor den Hirten das Jesuskind entdeckt hat. Das flüchtige Huhn hatte sich in seiner Angst im Stall von Bethlehem versteckt.

Unterdessen folgen die Kinder einem alten Brauch und schieben bis zum 6. Januar die Drei Hl. Könige jeden Tag ein Stück näher an die Krippe heran. Und wenn wir schon bei den  Kindern sind: fieberhaft suchen sie den Teufel, der auf keiner Krippe fehlen darf, bis sie ihn endlich versteckt zwischen den Hecken finden. Und irgendwo sitzt auch der Cagané, eine legendäre Figur in der Hocke, den blankem Po hinter einem Busch versteckt.

Und die Weihnachtsgeschenke scheißt nach altem katalanischem Brauch der Tió. Ja, Sie haben richtig gelesen, nicht der Weihnachtsmann oder das Christkind bringt Geschenke, nein der tió, die Kinder schlagen mit ihrer ganzen Kinderkraft auf einen alten Baumklotz, den Tió, und je kräftiger sie draufhauen, desto vielfältiger sind die Geschenke. Ein heidnischer Brauch vermutlich, recht eigentlich kann es niemand sagen, auf jeden Fall ist die katalanische Krippe eine große Heilslandschaft, die den vorderen Orient mit dem mediterranen Katalonien verschmilzt und am Ende sogar mit der Weihnachtstanne aus Mitteleuropa.

Der große Geschenksegen allerdings, den gibt es am Heiligen Dreikönigstag, wenn von Kinderhand geschoben die Könige endlich an der Krippe angelangt sind.

 

Krippenbesichtigung bis 06.01.2017 nach Absprache per Email kunstbaur@aol.com

 

 

Der kleine Aufsatz  erschien im Abendbaltt, am 24.12.2017 in der Ausgabe für Schöneberg